Partner zum Wohle des Pferdes


Landgestüt Celle, Hannoveraner Verband, Dokumentationszentrum, Hofreitschule

 


Landstallmeister Dr. Axel Brockmann, Gestütsoberwärter Heinz Müller 2, Hannoveranerhengst Labiat, Obersattelmeister Ole Köhler, Direktorin d. Hofreitschule Christin Krischke, Hofreitmeister Wolfgang Krischke, Hauptsattelmeister Fred Müller


Am ersten, für ein halbes Jahr angelegten Projekt des Dokuzentrums beteiligen sich das Landgestüt Celle, der Hannoveraner Zuchtverband, der Wiener Tierarzt und Pferdeosteopath Dr. Robert Stodulka, der Hippologe Eberhard Weiß, die Fürstliche Hofreitschule und Hofreitmeister Wolfgang Krischke.
 
Der noch heute viel diskutierte Reitmeister Francois Baucher (1796-1873) widmete sich mit großem Erfolg der Ausbildung von Vollblut- und Warmblutpferden für die Dressur und entwickelte dabei Methoden und Lektionen, die einen Grundstein zum heutigen Reitsport legten. Zum Beispiel „erfand“ er A-Tempi-Wechsel, auch Einerwechsel im Galopp genannt.
Er legte großen Wert auf die lange Haltbarkeit seiner Pferde und richtete seine gewaltfreien Ausbildungsmethoden nach erst 150 Jahre nach ihm medizinisch bewiesenen physiologischen Gegebenheiten aus. 
Ein Genie seiner Zeit.
 


Reitmeister Francois Baucher ( 1796-1873)


Dr. Robert Stodulka, Dozent an der veterinärmedizinischen Universität Wien, macht im Oktober 2009 erstmals die „zweite Manier“ Bauchers (sein späteres, abermals reflektiertes Lebenswerk) mit einem im wu-wei-Verlag erscheinenden Buch dem deutschsprachigen Europa verständlich und zeigt anhand vortrefflicher biomechanischer und physiologischer Beweisführungen den unschätzbaren Nutzen dieser Methoden für den modernen Reitsport auf.
 

Zur praktischen Beweisführung der Wirksamkeit und Anwendbarkeit von Bauchers Systematik hat das EDRR ein europaweit einzigartiges Experiment ins Leben gerufen:


Am 3.8. übergab Landstallmeister Dr. Axel Brockmann vom Landgestüt Celle den gekörten, leistungsgeprüften Hannoveranerhengst LABIAT an Hofreitmeister Wolfgang Krischke, der für das Dokuzentrum den praktischen Teil des Experiments durchführt. Der bereits mehrfach seinem Alter entsprechend im Dressursport vorgestellte Hengst soll in den kommenden Monaten systematisch nach baucheristischen Grundsätzen ausgebildet werden. Erste Resultate der Arbeit in Leichtigkeit will das Dokuzemtrum bereits anlässlich der Celler Hengstparaden am 19. und 20. und am 26. und 27. September zeigen. Die Ausbildung des Hengstes wird sorgfältig dokumentiert und von der Pferdefachzeitschrift CAVALLO begleitet.

Die formulierten Ziele des EDRR bei der Ausbildung Labiats sind:
 - undokmatische Vermittlung zwischen den Fraktionen derer,  die nach klassischen Richtlinien arbeiten wollen und derer, die sportliche Wettbewerbe gewinnen wollen
 - interdiszipliniäre Vorstellung des System der konzeptionellen Ausbildung:
     - Abrufbarkeit des Schluckreflexes Entspannen auf "Kommando", Maulmobilisation Ziel: Widerstände minimieren
     - Balance vor Bewegung Schulung der Hilfen am Boden, im Stand und in langsamen Bewegungen Ziel: Balance
     - Trennung der Hilfen
von Hand und Bein, Parade und Treiben als Impuls Ziel: Gleichgewicht

Der Hannoveranerverband unterstützt dieses Projekt und Zuchtleiter Dr. Werner Schade erhofft sich neben bester Öffentlichkeitsarbeit für die Rittigkeit, Nervenstärke und Bewegungsfreude des Hannoveraner Pferdes und das Renommée für den sechsjährigen Beschäler Labiat Anregungen zur Veränderung gängiger Ausbildungsmethoden, die in den letzten Monaten für ungute Schlagzeilen gesorgt haben.

 


Zuchtleiter Dr. Werner Schade mit Obersattelmeister Ole Köhler bei der Ehrung von Labiats Boxennachbarn "Don Frederico" zum "Hengst des Jahres" 2009


Wolfgang Krischke wird in ständigem Austausch mit Dr. Stodulka und dem renommierten Dressurausbilder Eberhard Weiss Bauchers Lehren in die Tat umsetzen: zweimal täglich wird zwanzig Minuten mit dem Hengst gearbeitet, zunächst an der „décomposition“ (Trennung von Kraft und Bewegung zur Stabilisation des Gleichgewichts), der „cession de machoir“ (Nachgiebigkeit im Unterkiefer, Provokation des Schluckreflexes und gezielter Einwirkung auf das parasympathische Nervensystem) und der „flexion et position“ (Biegeübungen zur Kräftigung der wirbelsäulennahen Feinmuskulatur und erreichen natürlicher Aufrichtung). 

Die Ergebnisse der Studien werden die Wissenschaftler gut verständlich und so nachvollziehbar wie möglich der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und hoffen damit einen Beitrag zum Wohle des Pferdes leisten zu können.

 


Federführend bei diesem Projekt des Dokuzentrums: Dr. Robert Stodulka, Eberhard Weiss, Wolfgang Krischke