Das Projekt Labiat


Die Aufgabenstellung:
Ausbildung eines solide vorgeschulten Warmblutpferdes nach den Methoden französischer Reitmeister, insbesondere Francois Bauchers
Der Projektrahmen:
Sechs Monate Vollberitt ab dem 04.08.2009 in der Fürstlichen Hofreitschule
Gesuchte Ergebnisse :
Beweisführung zu:
 - Bauchers Methodik ermöglicht Dressur ohne permanenten Druck am Zügel
 - Légèreté ist für Warmblüter bestens geeignet
 - Légèreté stärkt Selbstbewusstsein und Nervenstärke
 - Versammlung bedarf spezieller Muskulatur, die nicht durch Verstärkung erritten werden kann
 Beitrag zur Änderung der Sehgewohnheiten der Öffentlichkeit:
 - Genick höchster Punkt ./. Überzäumung
 - Verzicht auf Hilfsmittel ./. Nasenriemen, Bandagen, Hilfszügel
 - Versammlung ./. Verstärkung
Leiter des Projektes:
Theoretische Konzeption Dr. Robert Stodulka, Wien
Praktische Umsetzung Wolfgang Krischke, Hofreitmeister Bückeburg
Fachlicher Beirat Eberhard Weiss, Marloffstein
Finanzierung
Leihgabe des Hengstes durch das Landgestüt Celle, vertreten durch Landstallmeister Dr. Axel Brockmann
Lebensversicherung für den Hengst finanziert durch den Hannoveraner Verband, vertreten durch Zuchtleiter Dr. Werner Schade
Unterhaltungskosten, Kosten der Ausbildung finanziert durch die Fürstliche Hofreitschule, vertreten durch Direktorin Christin Krischke
Dokumentation
Sechsmonatige Berichterstattung durch das Pferdemagazin Cavallo, vertreten durch Redakteurin Melanie Tschöpe
Interne Auswertung im Dokuzentrum

August
3.8.2009 
Abholung des Hengstes
Bestandsaufnahme der reiterlichen Vorgeschichte
 - Labiat absolvierte 2007 die HLP in Dressur und Springen in Leistungsklasse 1
 - Übergaberitt durch Obersattelmeister Ole Köhler im Landgestüt Celle videodokumentiert (Ausschnitte in Kürze hier)

Bestandsaufnahme der Morphologie
Untersuchung durch Dr. vet Stefan Böttcher
 - Röntgenologisch einwandfrei
Untersuchung durch Dr. vet. Robert Stodulka
 - Orthopädisch einwandfrei 
 - Symmetrisch altersgemäß bemuskelt
 - Physiologische Abweichung der Stellung der Sprunggelenke (eng)
   Physiotherapeutische Schwachpunkte
 - In Hals- und Kaumuskulatur punktuelle Verhärtungen 
 - Dito an der rechten Hosenmuskulatur, beidseitig vor und hinter dem Widerrist und an der Lendenzacke 
 - Satteldruck beiderseits am Trapezmuskel 
 - Vernarbte Lefzenverletzung links

Bestandsaufnahme der Rittigkeit 
Untersuchung durch Wolfgang Krischke (empfohlene Maßnahmen)
 - Sehr diskreter, umgänglicher Hengst 
 - Beim Satteln Abwehrhaltung (vermutlich wegen des Satteldrucks)
   Maßangefertigter Dressursattel der Firma Passier, Hannover
 - In der Grundgangarten unausbalanciert, nur in hohem Tempo stabil, Kadenz fehlt gänzlich 
   Versammelnde Übungen und verkürzte Gänge üben 
 - Insgesamt gut biegsam 
 - Rückwärtstreten ungleichmäßig und nicht spurtreu 
    Muskulatur der Sprunggelenksstabilisatoren trainieren 
 - Maul unbeweglich und trocken
   Maulmobilsation nach Baucher
 - In Biegung nach rechts deutliches Schieflegen des Kopfes mit Verkippen im Widerrist
   Aufdehnen der linken Körperseite an der Hand nach Baucher
   Seitengänge
 - Nackenband ist überdehnt, Aufwärtshilfen im Maul wirkungslos  
   Absolute Vermeidung von Überzäumung
   Fillis-Zügelführung

ab 04.08.2009
Erste Maßnahmen
Grundlegende Umstellung der Hilfen
 - Impulse statt Anlehnung
 - Genick immer am höchsten Punkt
 - Zügel- und Schenkelhilfen strikt trennen
 - Balance vor Bewegung (Bei Disharmonie zurück zum letzten gesicherten Status, ggf. im Stand)

 Grundlegende Umstellung des reiterlichen Alltags („Routine“)
 - 20-minütige Schulungseinheiten
 - zweimal täglich schulen
 - Maulmobilisation und Handarbeit zu Beginn jeder Schulung
 - Seitengänge in wiederkehrender Reihenfolge
 - nur Schritt, Halt und Rückwärtsrichten

September
Etappenziele
Koordination und Kooperation
 - Spanischer Schritt 
 - Passage 
Versammlung 
 - Seitengänge in Bahnfiguren 
 - Verkürzter Trab
 - Verkürzter Galopp 
Vier Gastauftritte bei der Celler Hengstparade

Oktober
Etappenziele
Optimierung Gebissakzeptanz
 - Kandare, Unterlegtrense 
 - Filliszügelführung 
 Balance in Bewegung 
 - Handarbeit Piaffe
Seminar „Kein Blatt vorm Mund“
Besuch der Belegschaft des Landgestüts in der Hofreitschule


November
Zwischenbilanz 
Konsolidierte Aspekte 
 - Balance
 - Biegsamkeit 
 - Selbstbewusstsein 
 - Routine 
Wiederkehrende Probleme 
 - Ausflüchte aus der Légèreté (Selbsthaltung noch instabil)
 - Nackenband noch überdehnt
 - anerzogener Stelztrab, mangelnder Sitzkomfort 
 - Stürmen im Galopp 
Problemlösung 
 - vier Wochen ausschließlich Handarbeit 
 - gezielter Aufbau der wirbelsäulennahen Feinmuskulatur 
 - intensives Piaffetraining an der Hand

Dezember

Resultate
Erheblicher Muskelaufbau im Rücken, am Oberhals und an den Schenkeln (insbesondere Innenseite)
Wiederaufnahme der Arbeit unter dem Reiter
Stabilisierung der Maul-Widerrist-Verbindung
  - Umstellung auf Baucher-Zügelführung 

Januar 
Weiterführende Schulung
 - Piaffe unter dem Sattel
 - Piaffe-Passage-Übergänge
 - Galopp-Pirouetten 
 - Vermehrte Galopparbeit 
Das Ergebnis 
 - Muskulatur umgestaltet 
 - Nackenband stabilisiert
 - Natürliches Gleichgewicht verbessert 
 - Versammlung vollständig hergestellt
 - Piaffe, Passage, Pirouetten und Seitengänge gelehrt
 - Kooperationsbereitschaft hergestellt 
 - Selbstbewusstsein konsolidiert

Rückgabe und Resümee 20.1.2010
Ausbilder Wolfgang Krischke:
"Ich bin mit Labiat sehr zufrieden. Er steht an Willigkeit, Rittigkeit und Vermögen keinem Lusitano nach. Er wir mir sehr fehlen."
+++*Note sehr gut mit Stern

Testreiter Marius Schneider:
"Der Hengst ist mit leichtesten Hilfen einfach nachzureiten und bietet sich extrem an. Piaffe und Pirouette suchen ihresgleichen."
+++ Note sehr gut

Testreiter und bisheriger Ausbilder Obersattelmeister Ole Köhler:
"Die Feinfühligkeit an den Hilfen hat mich überrascht, man drückt leicht mal zwei Knöpfchen zugleich. Das Aufrichten des Widerrists mittels Aufwärtsparaden konnte ich gut nachempfinden."
++ Note gut

Landstallmeister Dr. Brockmann:
"Der Hengst zeigt sich in exzellentem Zustand. Die das bisherige Training ergänzenden Lektionen sind beachtenswert. Für den Dressursport gilt es nun weiter an Verstärkungen und Übergängen zu arbeiten."
++ Note gut

Zuchtleiter Dr. Schade:
"Labiat ist aus reiterlicher und züchterischer Sicht für den Verband unersetzlich. Heute haben mich besonders sein Versammmlungsvermögen, die einfache Handhabbarkeit unter verschiedenen Reitern und ganz besonders die enge Vertrauensbeziehung zu seinen Bezugspersonen begeistert."
++ Note gut

Projektbetreuer Eberhard Weiß:
"Die Perfektion des vollends versammelten, leistungsbereiten und schwungvollen Schulpferdes war bei Labiat heute einige Male zu erahnen, was nach nur einem halben Jahr eine beachtliche Leistung darstellt und für sein außerordentliches Talent und Temperament spricht."
+++ Note sehr gut

Projektbetreuer Robert Stodulka:
"Das Projekt betrachte ich in allen Punkten als sehr gut geglückt. Es konnte aufgezeigt werden, dass die Methoden Francois Bauchers auf den modernen Warmblutpferdetyp einwandfrei anwendbar sind und im Resultat nach nur 6 Monaten Leichtigkeit der Hilfen, Versammlungsbereitschaft und Wohlbefinden des Pferdes hergestellt werden können. Die Biomechanik des Hengstes hat sich in dieser kurzen Zeit erheblich zugunsten seiner Gesundheit und Langlebigkeit verbessert."
+++ Note sehr gut

Obersattelmeister Ole Köhler, Bereiter von Labiat im Landgestüt Celle. 
Ritt bei der Übergabe des Hengstes.


Labiat wird übergeben und darf nach Bückeburg reisen.
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Dr. Robert Stodulka untersucht Labiat genau.
Am Tag der Übergabe sieht er so aus.


Maularbeit
Enspannen im Stand


Zu Gast bei der Celler Hengstparade. 
Erste Erfolge der Ausbildung.
4 Wochen ausschließlich Handarbeit.


Labiat im Januar.
Die Zwischenprodukte fügen sich zusammen.
Echte Versammlung in Pirouetten und Piaffe.
Zunehmende Légèreté.


Rückgabe mit Probereiter Marius Schneider und Ole Köhler.
Das Team der Betreuer des Projekts.
Eberhard Weiß, Dr. Robert Stodulka, Wolfgang Krischke, Christin Krischke